Kanada 2018 – Der 4. Tag

Durch das erreichen des Halbfinales war es den Eisbären vergönnt, erst um 7.30 Uhr das Frühstück einnehmen zu müssen. Unser Frühstücksdirektor Hubert hatte sich wieder alle Mühe gegeben, daß es den Jungs an nichts fehlte. In Calgary hatte über Nacht Schneetreiben eingesetzt, und dies bei -23°. Leider waren Mick Hochreiter und Daniel Visner nach der morgendlichen ärztlichen Untersuchung nicht in der Lage, am Spiel teilzunehmen, denn die körperlichen Attacken aus dem gestrigen Spiel waren doch zu heftig. Ein echter Verlust für die Eisbären. Dafür hatten sich Georg Ginzburg und Ilja Fleischmann zurück gemeldet und so konnten wir mit einem kompletten Team antreten.

10.00 Uhr war Bully-Time. Der Gegner kam aus Kelowna (Britisch Columbia), einem U18-Team der Kategorie AAA, also der höchsten Qualitätsstufe im kanadischen Nachwuchseishockey. Schon bei der Erwärmung machten sie einen guten Eindruck, denn sie waren groß und körperlich den Eisbären überlegen. Das erste Bully wurde eingeworfen und die Post ging ab. Kelowna kam mit recht großer Wucht und unsere Jungs waren nur ungenügend darauf vorbereitet. Nach 3 Minuten lagen die Eisbären 0:3 zurück und für Georg Ginsburg war nach dem zweiten Wechsel auf Grund einer Schulterverletzung Schluss. Wir nahmen eine Auszeit um die Mannschaft zu beruhigen und Druck aus dem Spiel herauszunehmen. 0:6 führte Kelowna nach dem ersten Drittel. Mehr muss man dazu nicht schreiben.

In der ersten Pause hieß es Wunden zu lecken, die Mannschaft zu motivieren, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren, bei Puckbesitz kein 1:1- Situationen zu suchen, schnell zu passen und vor allem von der Bande wegzubleiben. Die Eisbären, fanden auch wirklich zurück ins Spiel, zeigten Charakter und bekamen mehr Spielanteile. Man konnte den Gegner teilweise gut neutralisieren, im Unter- und Überzahl durchaus Akzente setzen und so gelang es, daß 2. Drittel mit 2:2 recht ausgeglichen zu gestalten. Problematisch waren jedoch weiterhin die harten Zweikämpfe. Wir hatten trotz des Ausfalls von Atli Sveinsson zwar noch 4 Sturmreihen zur Verfügung, aber Melanie, unsere Team-Ärztin war quasi im Dauereinsatz. Die junge Reihe mit Georg Rodin, Fynn Petersen und Tjalf Deichmann erarbeitete sich jetzt großen Respekt, denn bei jedem Wechsel stellten sie sich dem Gegner.

Die körperliche Überlegenheit des Gegners blieb aber erkennbar und zwei Jahre Altersunterschied sind nicht einfach beiseite zu schieben. In der zweiten Pause machten die Eisbären wieder einen selbstbewussten Eindruck, was Sven und mir sehr gefiel. Wir vermittelten den Jungs auch unsere Zufriedenheit und motivierten sie, intensiv im Spiel zu bleiben. Die Eisbären wollten noch kämpfen und Melanie gab ihr Bestes, aber Kelowna gelang am Ende eines teilweise sehr verbissen geführten Spiels noch zwei Treffer zum 2:10-Endstand.

     

Nachwuchsarbeit heißt Ausbildung und man sollte nicht jede Leistung am Ergebnis fest machen. Egal ob Sieg oder Niederlage. Die Eisbären haben mit Charakter das Spiel gestaltet und sind als Team zusammen geblieben und gereift. Jetzt galt es, sich auf den nächsten Gegner bei Spiel um Platz 3 vorzubereiten. Dies war auch wieder ein Team mit Spielern der Jahrgänge 2001 und 2002 aus Calgary und die Zeit zwischen den Spielen nutze das Team, um gemeinsam etwas zu essen und sich im Hotel auszuruhen. Auf der Busfahrt zur Winsportarena war zu spüren, daß die Eisbären noch nicht zufrieden waren mit dem bislang erreichten.

Im letzten Spiel des Turniers ging es gegen das Team der Calgary Royals um den dritten Platz. Leider meldete sich Leon Steinberger vor dem Spiel auch noch für das Lazarett an und von den oben genannten Spielern meldete nur Atli Sveinsson zurück. Aber Jammern half nicht, da mussten wir durch. Die Mannschaft fand gut ins Spiel, erarbeitete sich Spielanteile und machte viel Druck zum gegnerischen Tor. Der Gegner spielte mit und das Spiel erreichte ein gutes Niveau ohne überzogene Härte.

In der 10. Spielminute hatte Calgary das Glücksmoment und ging mit 0:1 in Führung. Der Treffer zeigte bei unserem Team keine Wirkung. Im Gegenteil, die Eisbären erhöhten die Intensität, die Royals mussten hinterherlaufen und produzierten Strafen. In einem Powerplay der Eisbären schoß Atli Sveinsson von der blauen Linie und Jeroen Plauschin fälschte zum 1:1 ab. Die Eisbären machten weiter Druck und zwangen den gegner zu Fehlern und Strafzeiten. Bei einer weiteren Überzahl war es wieder Atli Sveinsson, dessen Schuss Jeroen Plauschin erneut abfälschte und es stand 2:1. Die Eisbären hatten jetzt einen guten Rhythmus und unmittelbar nach einer soeben abgelaufenen Strafe des Gegners zog Oleg Porunow von der Grundlinie vor das Tor und konnte den Goalie zum 3:1 überwinden. So ging es in die erste Pause.

Verständlicherweise war die Stimmung gut, aber Euphorie ist kein guter Begleiter. Es war aber auch zu sehen, daß die Royals ihrerseits die Schlagzahl erhöhten. Also galt es, fokussiert weiterzuspielen. Der Gegner fand besser ins Spiel, bekam mehr Spielanteile und in der 32. Minute fiel der 3:2-Anschlusstreffer. Die Eisbären wurden wieder agiler, fanden zurück ins Spiel in der 40. Minute lief Jeroen Plauschin von der blauen Linie tief ins gegnerische Drittel, vernaschte einen Verteidiger, legte den Puck quer und Danjo Leonhardt konnte seine Vorlage zum 4:2 verwerten.

Es hatte doch etwas gehakt im 2. Drittel, besonders in der Defensive. Darauf wiesen Sven und ich noch mal in der Pause hin und 20 Minuten harter Arbeit lagen noch vor der Mannschaft. Calgary fand erneut besser ins Spiel als die Eisbären und wollte es noch wissen. Die Eisbären machten den Eindruck, als wollten sie das Ergebnis verwalten und so liefen sie dem Gegner permanent hinterher. Bei einem Powerplay in der 43. Minute für die Royals jedoch konnte Oleg Porunow einen Shorthander zum 5:2 erzielen, nach dem er sich durchkämpfte und dem Torwart keine Chance ließ. Solche Shorthander-Tore sind immer das Salz in der Suppe. Die Eisbären waren ja am Verwalten und das Tor Spielte ihnen in die Karten.

Calgary ihrerseits war weiter motiviert, die Eisbären liefen weiterhin hinterher und so war das 5:3 die logische Folge. Die Eisbären hatten weiter die ruhe weg. 3min vor Schluss zog Calgary den Torwart, brachte den 6. Spielerund 8sek vor Ende stand es 4-5. Die 8sek überstanden die Eisbären und gewannen am Ende mit 5-4 auch verdient das Spiel und somit den 3. Platz im Turnier.

Fazit: Die Eisbären haben 3 von 5 Spielen gewonnen, waren in der Lage ihr Potential ab zu rufen und konnten vor allem Spielerisch überzeugen. Sie zeigten Charakter und waren in der Lage mit der Körper betonten teilweise aggressiven Spielweise um zu gehen und an zu nehmen, verletzte Spieler zu ersetzen und zu kompensieren. Somit fand ein positiver Schritt in der Entwicklung der Spielfähigkeit statt sowie in der härte Verträglichkeit. Somit hat die Reise in Sportlicher Hinsicht ihren zweck voll umfänglich erfüllt. Jetzt haben die Jungs zwei Tage wohl verdiente Ruhe, wobei für Morgen ein volles Programm geplant ist.

Also bis Morgen allen noch einen Schönen Sonntag. Verbleibe mit besten Grüßen.

Andreas Gensel.